Gemeinsam zünden wir das Licht an

Saporischschja ist eine Stadt der Stärke und Ausdauer. Nur dreißig Kilometer von der Frontlinie entfernt ertönen hier täglich Sirenen, doch das Leben bleibt nicht stehen. Die Menschen arbeiten weiter, lernen, helfen einander, tun Gutes und inspirieren andere. Einer der Orte, an dem die Wärme menschlicher Herzen die Kälte des Krieges überwindet, ist das Reimer Center. Hier fand kürzlich in Zusammenarbeit mit den Clubs „Zukunft“ ein besonderer Workshop für Kinder statt – ein Tag, der Kreativität, Handwerk und Gemeinschaft vereinte.

Etwa zwanzig Kinder verschiedenen Alters kamen an diesem Tag ins Zentrum. In ihren Gesichtern spiegelten sich Neugier und Vorfreude auf etwas Besonderes. Die Organisatoren begrüßten die Teilnehmer mit warmen Lächeln, boten Tee und Süßigkeiten an und erklärten dann, dass die Jungen und Mädchen in zwei Werkstätten arbeiten würden: die Mädchen würden Kerzen herstellen, die Jungen Holzkerzenhalter bauen. Am Ende des Tages sollte jedes Kind ein eigenes handgefertigtes Werk haben – eine Kerze und einen Halter, die zusammen ein Ganzes bilden.

Im Raum der Mädchen herrschte von Anfang an eine besondere Atmosphäre der Gemütlichkeit.
Währenddessen ging es in der Holzwerkstatt geschäftig zu. Der Duft von frischem Holz und Lack lag in der Luft, das Surren von Sägen und Schleifmaschinen war zu hören. Unter Anleitung des Meisters lernten die Jungen, Werkzeuge zu halten, Maße zu nehmen, Kanten zu schleifen und die Basis zu kleben. Für einige war es die erste Erfahrung mit Holz, doch schon nach einer Stunde entstanden auf den Tischen echte Kerzenhalter – stabil, ordentlich und mit der Wärme der Hände, die sie geschaffen hatten.

Solche Tätigkeiten haben eine besondere Kraft. In einer Welt, in der vieles zerstört scheint, ist es wichtig, Kindern zu zeigen, dass sie erschaffen können. Ihre Hände, Gedanken und Herzen sind Werkzeuge des Guten. Handarbeit formt nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch Charakter – Geduld, Konzentration und Verantwortungsbewusstsein.

Als alle Arbeiten fertig waren, versammelten sich die Kinder im großen Raum. Die Mädchen stellten ihre Kerzen auf die Holzhalter der Jungen. Es sah wunderschön aus – einfache Dinge, geschaffen von Kinderhänden, erfüllten den Raum mit Wärme und Licht. Gemeinsam zündeten sie einige Kerzen an, und für einen Moment herrschte Stille – jedes Kind sah in die Flamme, als würde es darin Hoffnung sehen.

Serhij, einer der Leiter, sagte:

„Wir leben in einer Stadt, die täglich Explosionen hört, aber das hat unseren Wunsch zu schaffen nicht zerstört. Im Gegenteil – je dunkler es um uns wird, desto mehr wollen wir Licht entzünden.“

Danach tranken die Kinder Tee, teilten ihre Eindrücke und machten Fotos mit ihren Werken. Einige fragten bereits, wann der nächste Workshop stattfinden würde – und das ist wohl das schönste Zeichen eines gelungenen Tages.

Das Reimer Center arbeitet weiter, trotz der Herausforderungen des Krieges. Hier lernen Kinder nicht nur Englisch oder Handwerk – hier werden Herzen geformt. Jeder Junge, der heute gelernt hat, mit dem Hobel umzugehen, und jedes Mädchen, das ihre eigene Kerze gemacht hat, ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für unsere Stadt.

Denn Saporischschja ist nicht nur eine Stadt in der Nähe der Front. Es ist eine Stadt, in der die Kerzen des Friedens, des Glaubens und der Liebe weiter brennen. Und solange es Orte wie das Reimer Center gibt, wird dieses Licht niemals erlöschen.

Nach oben scrollen