



Saporischschja ist heute eine Stadt der Kontraste. Hier kreuzen sich der alltägliche Rhythmus eines großen Industriezentrums und der beklemmende Atem des Krieges. Auf den Straßen sieht man Menschen, die zur Arbeit eilen, Menschen, die in der Schlange für humanitäre Hilfe stehen, und solche, die ihr Zuhause weit entfernt zurücklassen mussten und nun ihr Leben von Neuem beginnen. Der Krieg hat die gewohnte Ordnung verändert, und nun sind selbst die einfachsten Dinge — warme Kleidung, ein Lebensmittelpaket oder eine Decke — für viele nicht nur Unterstützung, sondern wahre Rettung geworden.
Um diesen Bedürfnissen zu begegnen, organisiert das Reimer Center regelmäßige Hilfsgüterverteilungen. Zweimal im Monat öffnet das Zentrum seine Türen für alle Bedürftigen — sowohl für Einheimische als auch für Binnenvertriebene. Hier kann jeder notwendige Kleidung, Lebensmittel und andere grundlegende Dinge erhalten.
Diese Unterstützung ist besonders mit dem Einbruch der Herbstkälte spürbar geworden. Allein an diesem Freitag besuchten mehr als 250 Menschen das Zentrum: Familien mit Kindern, Menschen mit Behinderung, Rentner, junge Leute — alle vereint durch das Bedürfnis nach Wärme und Unterstützung.
Noch vor Beginn der Verteilung hatten sich mehrere Dutzend Menschen vor den Türen versammelt. Manche hielten eine Tasche in der Hand, andere Dokumente zur Registrierung. „Wissen Sie, ob es heute auch etwas Lebensmittel gibt?“ — das war die Frage, die man am häufigsten unter den Leuten hörte.
Am Eingang wurden die Besucher von Freiwilligen empfangen, die sie registrierten und halfen, sich zurechtzufinden. Ein großer Teil des Teams sind selbst Binnenvertriebene, daher verstehen sie die Lage der Hilfesuchenden besonders gut und bemühen sich, aufmerksam zu sein.
An diesem Freitag verwandelte sich das Reimer Center in einen Ort, an dem mehrere Dutzend Menschen durch ordentlich sortierte und ausgelegte Kleidung stöbern konnten. Die Menschen wählten ihre Sachen sorgfältig aus, berieten sich miteinander, manche probierten gleich vor Ort eine Jacke an, andere bedauerten, dass die Größe nicht passte, und gingen weiter. Freiwillige begleiteten die Besucher ständig, halfen, Schuhe zu finden oder Pullover auszuwählen.
In einem anderen Teil des Saales konnte man kleine Lebensmittelpakete erhalten: Getreide, Konserven. Es war nicht viel, aber eine so wertvolle Unterstützung für die Menschen. Eine Frau mit mehreren kleinen Enkeln nahm auch Kartoffelpüree für Kinder mit, das sie bereits früher bekommen hatte — und die Kinder hatten es mit Freude gegessen.
In der Luft lag nicht nur das Bedürfnis, sondern auch gegenseitige Unterstützung. Menschen tauschten Worte des Dankes aus, Freiwillige schenkten Lächeln, jemand half einem anderen, die Tasche zum Ausgang zu tragen. Ein älterer Mann, der das Zentrum verließ, begann, seine Freude über neue Winterschuhe in großer Größe, die er nun den ganzen Winter tragen konnte, mit den Wartenden zu teilen. Und die Menschen freuten sich aufrichtig für ihn. „Ich finde es wunderbar, solche Zeichen der Menschlichkeit zu sehen! Trotz der schwierigen Umstände, die uns alle verbinden, können wir füreinander empfindsam bleiben!“ — erzählte Olha, ein Mitglied des Zentrumsteams, die diese Szene beobachtete.
Für viele ist dies nicht einfach eine Hilfsgüterausgabe. Es ist die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, bekannte Gesichter zu sehen, das Gefühl zu haben, in den Schwierigkeiten nicht allein zu sein. „Ich komme nicht zum ersten Mal hierher“, sagte eine ältere Frau. „Hier herrscht immer eine warme Atmosphäre. Und es geht nicht nur um die Dinge. Hier kann man reden, hier spürt man menschliche Zuwendung.“ Ähnlich denkt auch Jana, die gegen Ende der Verteilung kam. Vor drei Monaten hatte sie das Reimer Center zum ersten Mal besucht, und an diesem Freitag hatte sie den Mut, erneut zu kommen. Denn für sie ist dieser Ort zu einem Platz geworden, an dem man ihre Not wahrgenommen und sie nicht abgewiesen hat. Jana wusste, dass sie wiederkommen konnte.
Dies bestätigt auch Olena, eine der Freiwilligen: „Wir sehen, dass die Menschen nicht nur materielle Hilfe brauchen. Oft wollen sie einfach nur gehört werden. Wir versuchen, ihnen beides zu geben.“
Innerhalb von drei Stunden erhielten Hunderte von Menschen das Nötigste. Für die einen war es eine warme Hose, für andere ein Paket mit Grütze, für wieder andere ein Spielzeug für ein Kind oder ein Hygieneset. All das sind kleine Dinge, doch sie schaffen ein Gefühl von Sicherheit und Fürsorge in schwierigen Zeiten. Das Reimer Center plant, solche Aktionen auch weiterhin durchzuführen. Selbst kleine Hilfe kann nicht nur den Körper, sondern auch das Herz wärmen. Denn das Zentrum ist nicht nur eine humanitäre Initiative, sondern Teil einer großen christlichen Gemeinschaft, die die biblischen Werte von Barmherzigkeit und Nächstenliebe in die Tat umsetzen möchte. Deshalb ist es für uns wichtig, an der Seite derjenigen zu stehen, die Unterstützung brauchen.




